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Beyond Film ++ Zu Besuch bei der Optik und Exposure im Bunker

Anfang Mai rief das Filmlab Optik Oldschool auf Instagram auf, Fotos für eine Ausstellung mit dem schönen Namen Beyond Film im Bilker Bunker in Düsseldorf einzureichen. Das Lab war mir seit letztem Jahr ein Begriff, als sie den OptiColour 200 mitentwickelt und vermarket hat. Ich habe noch nie bei so einer Aktion teilgenommen und irgendwo Fotos von mir öffentlich eingereicht, aber diesmal hatte ich spontan Lust und Motivation. Düsseldorf liegt um die Ecke, und analoge Fotografie ist eben seit ein paar Jahren wieder meine Leidenschaft. Also warum nicht mein Glück versuchen?

Ende Mai einen Tag vor der Deadline hatte ich drei Fotos in meinem Archiv ausgesucht und eingereicht und … tata … tatsächlich bekam ich Mitte Juni von Sebastian Trägner von Optik Oldschool die Zusage, dass mindestens eins meiner Bilder Teil der Ausstellung wird: After receiving more than 1,000 submissions, we are thrilled to let you know that we would love to have you as part of the “BEYOND FILM” exhibition. Wie cool ist das denn, ein Foto (oder zwei oder drei?) von mir in einer Ausstellung.

Tag 1

Am letzten Wochenende war nun Eröffnung. Welches Foto es nun werden sollte, wurde vorab nicht mitgeteilt. Ich hätte wohl bei Sebastian nachfragen können, aber so war es spannender. Ich habe also erst beim Besuch der Ausstellung erfahren, welches Bild es an die Wand geschafft hat. Das war richtig spannend vor Ort, denn ich wusste natürlich auch nicht, in welchem Raum der Ausstellung ich es finden würde.

Ansturm am Eröffnungstag

Obwohl ich ein wenig kränkelte, sind Pia und ich am Freitagabend zur Ausstellungseröffnung nach Düsseldorf gefahren. Wir kannten den Bilker Bunker noch nicht, aber die Masse an Menschen mit einer Kamera um den Hals oder in der Hand draußen auf der Straße war ein klares Indiz, den richtigen Ort gefunden zu haben. Es war tatsächlich so voll, dass wir erst ein wenig draußen warten mussten, bis wieder andere Gäste den Bunker verlassen hatten, bevor die nächsten eintreten durften.

In der Eingangshalle hatte gerade die Eröffnung begonnen, bei der Esther Wenzlik und Sebastian Trägner, die Kuratoren der Beyond Film Ausstellung, einige Begrüßungsworte sprachen. Und dahinter an der Wand ein meterhohes Plakat mit den Namen aller Fotografen, die bei Beyond Film ausstellen durften. Wow. Das war schon ein erhabenes Gefühl, den eigenen Namen da lesen zu dürfen – und damit die Bestätigung, dass wir wirklich mein Foto hier im Gebäude finden können.

Vorauswahl

Ich verlasse jetzt einmal die Szene und löse noch nicht auf. Stattdessen gebe ich einen kurzen Einblick, wie ich eigentlich meine drei Fotos eingereicht habe. Und jetzt wird es vielleicht abwegig, aber ich habe mich bei so einem schönen analogen Thema von einer künstlichen Intelligenz beraten lassen. Dazu muss ich sagen, dass ich mich seit einiger Zeit beruflich stark mit KI-Themen beschäftigen muss – und merke seit Monaten, wie sehr dieses Thema auch privat Einzug hält. Gestern war googlen, heute unterstützt mich Monsieur Claude (ja, ich weiß, dass Claude US-amerikanisch ist, aber so klingt es sympathischer) bei tieferen Recherchen.

Zunächst hatte ich aus meinem Archiv digitalisierter Analogfotos einige Kandidaten herausgesucht. Bei der Auswahl hatte ich bereits im Sinn, dass die Fotos Teil einer Ausstellung sein sollten, also entfielen bereits viele familiäre Motive (bis auf eine Ausnahme). Natürlich hatte ich hier bereits Favoriten im Sinn, von denen ich glaubte, dass sie die besten Chancen hätten.

Ich wollte eine zweite Meinung und habe die Fotos Claude „gezeigt“. Ich wollte gegenprüfen, welche Bilder eine KI angesichts des vorgegebenen Ausstellungskontexts (Vielfalt, visuelle Sprache, Materialität, Gemeinschaft) für die aussichtsreichsten hielt. Das Ergebnis fand ich spannend zu prüfen und meiner eigenen Einschätzung gegenzuhalten.

Auf die Plätze

Hier nun die Einschätzungen der KI zu den Top-12 Bildern, sortiert nach aufsteigender Reihenfolge der Plätze mit einem kurzen Titel und Text – alles statistisch abgeleitet aus dem KI-Modell. Die Fotos bis Platz 5 wurden mit „soliden“ Chancen bewertet, die ersten 4 dann als „Top-Kandidaten“ mit hohen Chancen.

Tatsächlich war meine persönliche Einstufung recht ähnlich zur KI Platzierung. Unter den „Top 4“ waren auch meine drei Favoriten, die ich eingereicht habe – nicht weil ich mich bei der Auswahl an meinem persönlichen Ranking orientiert habe, sondern weil ich auch dachte, dass sie die besten Aussichten im Open Call hätten.

Dabei sind die mir liebsten Fotos eher auf den hinteren Rängen. So hängt Platz 8 bei uns im Wohnzimmer gerahmt an der Wand mit anderen Fotos aus De Haan in Belgien – da spielt viel eigene Familiengeschichte mit rein.

Platz 9 möchte ich ebenso herausheben: Wenn ich mir dieses Wimmelbild ansehe, rieche ich nahezu die salzige Meeresluft und spüre noch die Sonne bei dieser Überfahrt von Korsika. Und ich erinnere mich an den Spaß und die Unbeschwertheit, die ich mit der PENTAX 17 im Sommer 2024 hatte.

Im Grunde könnte ich zu jedem Bild eine kleine, persönliche Geschichte erzählen, aber das kann (und muss) eben eine Jury nicht sehen. Hier kann es nur um die Wirkung des Bildes für sich gehen. Erzählt es selbst eine Geschichte, zeigt es ein spannendes Motiv, ist es grafisch interessant? Kurzum: Bleibt das Auge mehr als ein paar flüchtige Sekunden hängen?

Fertig

Eingereicht habe ich drei Schwarzweißfotos: die drei Mädchen am Strand von De Haan, das grisselige Bild der Bäume im Schnee, sowie den Ausschnitt des myhive Bürogebäudes im Medienhafen Düsseldorf.

Meine Gedanken dabei waren, möglichst unterschiedliche Sujets zu bedienen, um meine Teilnahmechancen zu erhöhen – ich habe doch keine Ahnung, worauf die Kuratoren der Optik wert legen und was „gefällt“.

Mein persönlicher Favorit sind eindeutig die drei Mädels am Strand. Das Foto entstand an einem kurzen Foto-Wochenendtrip in De Haan. Ich war alleine in das Ferienhaus meiner Eltern gefahren, weil ich für ein Fotoprojekt eine im Rahmen eines Fotoprojektes geliehene Rolleichord 6×6 ausprobieren wollte. Mit im Gepäck hatte ich noch eine alte Ricoh 500ME Messsucherkamera mit einem Agfa APX100 Film, weil ich unmöglich nur mit einer Kamera unterwegs sein kann. Das Foto entstand super spontan ohne die Zeit, Schärfe und Verschlusszeit bewusst einstellen zu können. Für mich ein absoluter Glückstreffer, der die unbeschwerte Stimmung dieses lauen Sommerabend für mein Dafürhalten eingefangen hat.

Das Architektur Fotos vom myhive Gebäude mag ich mit seinen organisch anmutenden Kurven der geschwungenen Balkonbänder auch sehr gerne. Hier habe ich mit einer alten 135er M Linse an einer PENTAX KX Speigelreflex minutenlang den für mich passenden Ausschnitt gesucht. Immer wieder ein Schritt nach links, nach rechts, vorne, hinten, durchatmen, auslösen. Und genau einmal auslösen. Keine 10 Sicherheitsschots.

Los

Die Bäume im Schnee und Nebel sind es dann geworden. Platz 2 auf Platz 1. Oder in meinem persönlichen Ranking Platz 3 auf 1. Dieses Foto wurde von Esther und Sebastian letztendlich ausgewählt. Es entstand im Januar 2024 bei uns zu Hause am späten Nachmittag. Es hatte plötzlich stark angefangen zu schneien, was in unserer Region der Kölner Bucht wirklich nur noch sehr selten passiert. Also sind meine Frau und ich kurzentschlossen raus und unsere kleine Feldwegrunde gelaufen. Schnee und Nebel hat so eine imense Kraft, eine bekannte Landschaft zu verwandeln. Die bekannte Welt wird so still und wirkt wie in Watte gepackt. Ich liebe das so sehr. Und das Foto fängt für mich dieses Gefühl sehr gut ein.

Dennoch habe ein zwiespältiges Verhältnis zu dem Foto. Natürlich mag ich es, sonst hätte ich es nicht eingereicht. Aber ich hadere noch heute mit der „digitalen Entwicklung“, mir ist es immer noch zu wenig kontrastreich und flau – aber ich kenne auch die analoge Vorlage. Ich bekomme einfach nicht mehr aus dem Negativ herausgekizelt. Das Foto ist aus mehreren Gründen eine Herausforderung. Im Grunde war es gut belichtet, bei Schnee habe ich manuell reichlich mehr Licht zugegeben, als der Lichtmesser der PENTAX KX vorgeschlagen hat. Aber das Bild ist schon arg beschnitten, weil die Baumreihe recht weit entfernt war und ich nur eine 50mm Normalbrennweite angesetzt hatte.

Der Ilford Delta 400 verspricht eigentlich eine feines Korn für diese ISO Empfindlichkeitsklasse, aber bei der Entwicklung ist einiges schief gelaufen. Größtes Problem war wohl die Wässerung mit viel zu kaltem Wasser, was zu dem starken Runzelkorn geführt hat. Für mich ein unerwünschter Fehler, aber irgendwie scheint dieser Fehler kombiniert mit dem minimalistischen Motiv gerade den Reiz des Fotos auszumachen.

Runzelkorn unter der Lupe

Ich habe das Motiv übrigens noch mit einer digitalen Ricoh GR IIIx (siehe oben, ich bin selten mit nur einer Kamera unterwegs) fotografieren können. Aufgrund der (umgerechneten) 40mm Optik der Ricoh musste ich am PC noch stärker croppen, um annähernd den gleichen Ausschnitt zu erhalten wie beim Scan des analogen Bildes. Ich zeige hier den Vergleich ohne Wertung. Nur der Hinweis: bei der originär digitalen Aufnahme sind sogar noch Strommasten im Nebel zu erahnen, die es (zum Glück) nicht auf den Film geschafft haben.

Wirklich, der Delta 400 ist zu mehr fähig. Zu meiner Entschuldigung: das war glaube ich erst mein dritter oder vierter Film, den ich selber zu Hause im Küchenlabor entwickelt habe.

Was auch bemerkenswert ist: wie unglaublich banal die Baumreihe bei normalen Wetter eigentlich ist, was die folgenden Fotos dokumentieren.

Exposure Time

Zurück im Bilker Bunker. Ich habe es schon erwähnt: der Freitag war nicht mein Tag, auch nicht der Samstag, aber dann der Sonntag. Zusammen mit Thilo aus dem Fotolabor bin ich mit mehr Zeit am Sonntag noch einmal zurück nach Düsseldorf.

Ich hatte Tickets für den Live Podcast von Exposure besorgt (die leider das Cologne in ihrem Namen gestrichen haben). Ich mag den Jungs immer gerne zuhören. Sympathischer Talk mit viel Herzblut, Lokalkolorit, Witz und ohne großen Missionsdrang (wenn auch mittlerweile eine gewissen Leica Affinität). Und das zuletzt die PENTAX 17 dann doch noch im großen Vergleichstest rehabilitiert wurde, hat mich besonders gefreut.

Die Podcast Folge war wirklich, wirklich interessant und kann beispielsweise bei podcast.de abgespielt werden: one more thing (114). Es gab einige Hintergrundinfos zur Ausstellung und Optik Oldschool selbst. Chris, Mitbegründer und Großmeister der Optik, gab einige Einblicke zur Entstehung des Labs und wohin die Reise gehen kann. Ganz am Ende dann DIE Überraschung: nächste Woche kommt nach dem OptiColour im letzten Jahr dann dieses Jahr … was wohl? … klar, der OptiMono Schwarzweiß Film. Und zwar nicht fremdgegossen und Namen drauf geklebt, sondern ein Eigengewächs aus der Kooperation mit InovisCoat, wie schon beim Farbfilm. Made in Germany. Wie krass ist das, Film lebt!

Danach war Zeit, noch einmal in Ruhe durch die Räume zu schlendern, viele unterschiedliche Bilder zu bestaunen und Kontakte zu knüpfen. Wir haben uns so wohl gefühlt, eine super angenehme und herzliche Stimmung. Vielen lieben Dank noch einmal an Esther und Sebastian als die Ansprechpartner von Beyond Film. Und an Kuba von Exposure, mit dem wir einen netten Plausch hatten. Und an Chris, der uns auch noch ein paar Details für den nächste Woche neu erscheinenden OptiMono 100 verraten hat. Beim anvisierten Preis bin ich fast in die Knie gegangen. Ich gönne der Optik so sehr den Erfolg!

Wie es der Zufall so will, hing dann neben meinem Foto an der Wand direkt ein Foto, der mit diesem neuen Film von Kuba geschossen wurde (das Reh im Wald). Zufälle gibt es (nicht). Krasser kann übrigens der Unterschied von zwei digitalen Aufnahmen technisch kaum sein. Der neue Optimono verspricht harte Kontraste und feinste Details. Der Film ist vereits auf meiner virtuellen Einkaufsliste, nur leider kommt er für den anstehenden Urlaub zu spät.

Beyond Film findet noch bis kommenden Sonntag, 19. Juli, statt. Es wird noch einige spannende Aktionen geben. Leider werde ich es diese Woche nicht noch einmal schaffen. Ich kann aber wirklich nur jeden ermutigen, dort vorbeizuschauen, zu staunen und die analoge Fotografie zu feiern. Und wer es nicht schafft: Es gibt einen digitalen Katalog. Mein Foto ist in Room 2 Wall 3 zu finden, rechts daneben Kubas Foto mit dem OptiMono.

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