PENTAX Optio RZ10 ++ Die 1-Euro-Kamera
Ich habe es wieder getan. Nachdem ich vor gut drei Jahren wider besseren Wissens die Finger nicht von der Optio H90 lassen konnte, und danach mit der Optio I-10 in Schwarz eine weitere Pentax Design Ikone mit Minisensor kaufte, ist es diesmal also die Optio RZ10 geworden. Allen Käufen gemeinsam: bescheidene Bildqualität, kompakt und relativ günstig, wobei die RZ10 (bereinigt von Versandkosten) bei einem Kaufpreis von 1 Euro nicht mehr zu unterbieten ist.

Für einen ersten Eindruck, was mit einer Kompaktbilligzoomknipse von 2010 möglich ist, gibt es zum zum Auftakt gleich einen Stapel von Fotos, die zu Jahresbeginn im Alltag und einem Besuch der belgischen Küstenstadt De Haan enstanden sind.
Teure Unperfektion
Die Vorgeschichte: meine 15-jährige Tochter hatte sich zu Weihnachten (ja, schon ein paar Monate her) eine alte Digitalknipse gewünscht. Also explizit eine alte, und mit Blitz. Ihr Argument ganz im aktuellen Trend: „weil die so schön unperfekte Bilder macht“. Mit meiner PENTAX- und Ricoh-Affinität war die Markenrichtung schnell gesetzt, und das Modell auch: eine I-10 in Weiß sollte es werden. Dabei eine Beobachtung zur Preisentwicklung: Ich selbst hatte bereits ein schwarzes Exemplar um die 50 EUR ein Jahr zuvor ergattert. Die weiße Variante jetzt in fast perfekten Zustand vor Weihnachten kostete um die 70 EUR. Aber aktuell scheinen die Preise weiter zu steigen.
Aufmerksam geworden bin ich darauf durch einen Post von TKO, dem früheren PENTAX-Filmprojekt-Leiter, der gerade erst seine Optio I-10 Sammlung vervollständig und dies bei Instagram gepostet hat. Dabei zeigte er auch die silberfarbene Variante, die mir auf Anhieb sehr gefiel und die in meiner Sammlung noch fehlt. Nach kurzer Recherche war dann aber klar, dass sie auch weiter fehlen wird: aktuell werden teils über 100 Euro für eine I-10 aufgerufen, die Classic Silver Edition ab 150 EUR. Echt Verrückt. Aber letztes Jahr sah es eben noch gut aus, das weiße Exemplar für meine Tochter wurde gefunden und geschenkt, und sie war zufrieden. Damit hätte die Geschichte auch hier enden können.

Beschaffungsmaßnahme
Beim Stöbern nach der I-10 war mir zufällig eine Optio RZ10 als eBay-Auktion ins Auge gesprungen. Startpreis: 1 Euro. Ich habe geboten, mehr aus Reflex als aus Überzeugung, und – tatsächlich – gewonnen. Für einen Euro. Die Kamera sollte aus Österreich kommen, was das Porto auf ein Vielfaches des Kaufpreises hob, aber selbst so war das Gesamtpaket noch echt ein Schnapper. Und dann passierte … nichts. Die Kamera kam einfach nicht an. Nach einigen Wochen hatte ich den Fehlkauf innerlich abgehakt – für einen Euro wollte ich mich schlicht nicht aufregen.
Dann meldete sich plötzlich der Verkäufer bei mir. Die Kamera war in einem desolaten Verpackungszustand mit nicht mehr lesbarer Lieferadresse zu ihm zurückgekehrt. Was er als nächstes tat, rechne ich ihm hoch an (und hat mich auch ein wenig beschämt, da ich schon einige böse Gedanken in südliche Richtung hatte): er verpackte sie neu, und schickte sie ein zweites Mal auf den Weg, auf eigene Kosten. Im Januar kam sie an – als verspätetstes Weihnachtsgeschenk und kleines Denkmal für mich dafür, dass es natürlich weiterhin ehrliche Mitmenschen gibt.
Isopropanol-Kur
Der Zustand der Kamera war wie in der Anzeige beschrieben: sie funktionierte. Optisch ganz ordentlich. Was aber schnell auffiel: das Weichgummi an der Rückseite hatte einen schmierigen Aggregatzustand angenommen, der an klebrigen Kaugummi erinnert. Es folgte eine Woche lang eine intensive Isopropanol-Therapie: täglich mehrerer Minuten sanftes Abreiben der Oberflächen mit einem in Isapropanol getränktem Mikrofasertuch. Und tatsächlich besserte sich der Zustand spürbar. Irgendwann konnte ich die Kamera wieder anfassen, ohne das Gefühl zu haben, an ihr festzukleben. Auch heute noch nach sechs Monaten gelegentlicher Verwendung ist das klebrige Gefühl nicht zurückgekehrt, wenn auch eine intensive Anziehungskraft für Staub geblieben ist.

keine Rätsel auf
Die Bedienung der sehr leichten und kompakten Kamera geht gewohnt einfach und gibt keine Rätsel auf. Alle Kontrollelemente sind auf der rechten Seite konzentriert und erlauben somit eine Ein-Hand-Bedienung. Der Auslöser auf der Oberseite wird umringt von der Zoom-Wippe und links flankiert vom Ein-Aus-Schalter, der für mich ungewohnt rot markiert ist (ich assoziiere damit den Start von Video).
Auf der Rückseite wird das Steuerkreuz für Aufnahmefolge/Selbstauslöser, Fokus-Methode, Programm- bzw Motivwahl sowie Blitzmodus um weitere vier Tasten für Wiedergabe, Gesichterkennung, Grüner Modus und Menu umringt, um alle wichtigen Funktionen einer Vollautomatik-Kamera anzusteuern.
Der Grüne Modus (also die Taste mit dem grünen Punkt rechts unten) ist die einzige Möglichkeit, die Bedienung ein wenig über das Menu zu individualieren. Die Auswahl Fn beispielsweise aktiviert dann später beim Drücken der grünen Taste vier weitere Funktionen auf dem Steuerrad für die Schnellauswahl von Belichtungskorrektur, Weißabgleich, Auflösung und ISO – alles Einstellungen, die sonst im Menu gesucht werden müssten. Etwas ungewohnt: der OK Schalter in der Mitte dient als Display Umschaltung, um mehr oder weniger Aufnahmeparameter im Aufnahme- oder Wiedergabemodus anzuzueigen.
Leistungsschau
Bei der H90 und der I-10 waren die Kaufentscheidungen damals klar durch das Äußere getrieben. Bei der RZ10 stellt sich diese Frage nicht. Sie ist ein zweckorientiertes Plastikgehäuse ohne jede Designambition. Kaufmotiv war hier allein der Preis, frei nach dem 2000er Motto „Geiz ist geil“ einer bekannten Elektrofachmarktkette.
Die Optio RZ10 kam 2010 (wie die H90) als günstige Reisezoomer-Kompakte auf den Markt, mit einem 14-Megapixel-CCD auf winzigem 1/2,33-Zoll-Sensor und einem 10-fach-Zoom von 28 bis 280mm – das war damals in dieser Preisklasse durchaus ein Argument. Dazu sensor-basierter Bildstabilisator, 720p-Video, und ein Makromodus, der bis auf einen Zentimeter Abstand herangeht. Kein RAW, kein manueller Modus – reine Vollautomatik mit Motivprogrammen.
Technisch sind sich Optio H90 und RZ10 auf dem Papier sehr nahe: beide arbeiten mit einem sehr kleinen Sensor und setzen auf Automatikprogramme. Die RZ10 hat mit ihren 14 Megapixeln nominell mehr als die 12 der Optio H90, was aber auf gleicher Sensorfläche schlicht kleinere Pixel bedeutet – kein Vorteil. Einen echten Vorteil gegenüber der H90 hat die RZ10 allerdings beim Bildstabilisator, da das Konkurrenzmodell nur mit einer Software-Lösung arbeitet (die ich damals schnell deaktiviert hatte, weil sie die Aufnahmefolge spürbar verlangsamte). Der mechanische Sensor-Shift-Stabilisator der RZ10 mag ein Vorteil bei längeren Brennweiten sein.

Was allen Kompakten gemein ist aufgrund des Minisensors ist das schlechte ISO-Verhalten. Bei der H90 war ISO 400 mit viel gutem Willen gerade noch akzeptabel, ISO 800 ging eigentlich nicht mehr. Bei der RZ10 ist es kaum anders – ab ISO 200 wird es richitg ungemütlich, die JPEG-Engine glättet Details weg und hinterlässt flache, aquarellanmutende Bilder. Dazu ist das Objektiv mit f/3,2 am Weitwinkel und f/5,9 am Tele nicht sonderlich lichtstark, was die ISO-Automatik schnell in Regionen treibt, die man lieber meidet.
Interessant ist der direkte Vergleich zur I-10. Nach meinem rein subjektiven Eindruck aus dem Alltag macht letztere die besseren Fotos, bei aller technischen Ähnlichkeit auf dem Datenblatt. Warum genau, kann ich nur mutmaßen. Die leicht größeren Pixel der 12-Megapixel-Variante dürften ein kleiner Faktor sein. Dazu wurde die I-10 als Premiumprodukt positioniert, was sich vielleicht in der Sorgfalt bei der Optik und der Abstimmung der JPEG-Engine niederschlägt – weniger aggressives Schärfen, zurückhaltendere Entrauschung. Aber wie gesagt: alles nur Spekulation. Und dann ist da natürlich noch das Design und der Spaßfaktor, der mich wohlwollender auf die I-10 und vielleicht ihre Ergebnisse blicken lässt. Oder mich eben deshalb auch besser fotografieren lässt.
Hier noch ein größerer Stapel von Fotos, die Mitte Mai in Lüttich mit der Optio RZ10 entstanden sind. Vermutlich sind das auch für lange Zeit die letzen Aufnahmen, die mit dieser Kamera enstanden sind. Bei manchen Motiven bin ich schon fast traurig, nicht mit einer besseren Kamera fotografiert zu haben.
Abschlussgedanken
Folgendes Bild zeigt die RZ10 zusammen mit der teureren I-10 aus dem gleichen Geburtsjahr und einer fast 10 Jahren älteren analogen Espio 120SW Film Kamera von 2001. Von der Wertigkeit und Haptik ist für mich ganz klar die Espio der Sieger, auch wenn die I-10 auf dem Siegertreppchen an oberer Stelle im Foto arrangiert ist. Die RZ 10 links fällt vom Design und Anfassgefühl ganz klar ab gegen und ist die am wenigsten attraktive Kamera.

Die RZ10 ist das, was sie ist: zweckorientiertes Plastik. Die I-10 sticht mit ihrem Retrodesign und dem Kunstlederbesatz wohltuend heraus. Das Design-Vorbild für die I-10 wäre übrigens streng genommen die Auto 110, PENTAXs legendäre Miniatur-Spiegelreflex für 110er Film. Die 120 SW spielt in einer anderen Liga. Das Gehäuse liegt satt und kühl in der Hand, das Material fühlt sich nach echter Substanz an – kein Vergleich zu den digitalen Plastikgeschwistern daneben. Und dann die Ergebnisse: was die 120 SW auf Film festhält und was nach dem Scan auf dem Monitor erscheint, ist schlicht nicht in derselben Kategorie wie das, worüber ich im restlichen Artikel geschrieben habe. Gutes Licht vorausgesetzt liefert ein ordentlicher Scan Details und eine Farbtiefe, die keiner der beiden Digitalkameras auch nur annähernd erreicht.
Die RZ10 darf bleiben – wo sollte sie auch sonst hin. Genutzt werden wird sie nicht mehr. Eine 1-Euro-Kamera, die ihren Preis in den letzten Monaten und mit diesem Blogpost vollständig erfüllt hat. Die I-10 ist da ein anderer Fall. Technisch ein wenig besser, preislich mittlerweile auch deutlich teurer – aber mit einer Portion Sympathie ausgestattet, die ihr einen festen Platz in der Sammlung sichert. Und ja, sie wird auch weiterhin ab und ausgeführt, auf jeden Fall das Exemplar meiner Tochter ist noch in reger Nutzung. Eigentlich verdienen sich die I-10 und die 120 SW beide einen eigenen, ausführlicheren Artikel – eventuell in einem gemeinsamen Vergleich? Und das ist noch ein PENTAX Design Schmuckstück gerade eingetroffen, aber auch dazu später dann mehr.
