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Pentax G.A.S. und Ricohmanie ++ die neue Sammellust

Seit einiger Zeit dreht es sich bei mir im Hobby nicht mehr nur allein ums Fotografieren, sondern auch explizit um die Beschaffung neuer alter Fotoapparate meiner Herzensmarke PENTAX, und mittlerweile auch Ricoh. Dieser Post offenbart meine G.A.S. Aktivitäten der letzten 12 Monate. Das Geräte-Anschaffungs-Syndrom ist eine allseits beliebte Ausrede zum enthemmten Horten fototechnischer Gerätschaften, oft ohne Sinn und Verstand. Das aber möchte ich natürlich entschieden von mir weisen, denn ich habe mich bewusst für das seriöse Sammeln (Zwinker) entschieden. 

Alle meine Ricoh Kameras: analog und digital, vom halben Kleinbildformat bis zum 6×6 Mittelformat, von 1956 bis 2022. Und alle funktionieren.

Ausgelöst wurde diese Phase vor ziemlich genau einem Jahr. Ich hatte meine analoge PENTAX MX zur Wartung nach Lübeck versendet und mir in ihrer Abwesenheit zur Überbrückung der Wartezeit eine Super-A gebraucht gekauft. Die Kamera hat mich total beeindruckt durch kleine Detaillösungen, die ich so noch nicht kannte. Und so wurde mein Interesse nach alten analogen PENTAX Kameras geweckt.

Die Super-A ist die erste PENTAX Spiegelreflex mit zusätzlicher Programmautomatik, in der Blende und Zeit von der Kamera gewählt werden. Die Belichtungswerte werden im Sucher und auf der Gehäuseoberseite über jeweils ein LCD angezeigt. Damit die Flüssigkristallanzeige im Sucher überhaupt lesbar ist (eine LCD leuchtet nicht selbst), gibt es auf dem Sucherhügel ein kleines Fenster, um Licht ins Innere zu führen. Reicht das Umgebungslicht nicht aus, gibt es zusätzlich noch eine kleine Taste, über die eine funzlige Glühlampe zugeschaltet wird, die nach 40 Jahren immer noch funktioniert. Einfach grandios. Dazu hat die Super-A ein sehr gefälliges, kompaktes Design. Ein Abblendhebel für die Blende und ein elektronischer Selbstauslöser komplettieren die Ausstattung.

Blick durch den Sucher eines Super-A Programmautomaten mit integriertem LC Display 

Diese Kamera war mein Trigger: ich wollte von nun an aus jeder Modell-Reihe mit K-Bajonett ein Gehäuse sammeln und die Besonderheiten kennenlernen. Dabei wollte ich mit jeder Kamera auch noch zumindest einen Film erfolgreich belichten. Sie sollten also nicht nur hübsch aussehen, sondern auch funktionieren. Ich wollte mich auch nur auf den PK-Mount von PENTAX beschränken, um das ganze Investment im Rahmen zu halten. Hersteller anderer Marken, die ebenfalls Gehäuse für das K-Bajonett produziert haben wie Chinon, Cosina, Revue, Zenit und auch Ricoh, habe ich erst einmal ausgeklammert. 

Die KX hat bereits eine Wartung bei Kamerazeit erhalten. Für die K2 steht dies noch aus. Mit beiden Modellen (plus der KM) wurde 1975 der K-Mount eingeführt

Ein Jahr später kann ich sagen, dass das Vorhaben auch ganz gut geklappt hat, wobei ich aber mein Beuteschema mit der Zeit doch noch auf Ricoh Kameras und auch weitere Geräte-Gattungen erweitert habe. PENTAX und Ricoh sind zum Glück Nischen, die mir viel Spaß machen, fotografisch alles bieten, was ich brauche, und die finanziellen Rücklagen nicht auffressen. 

Mein ursprüngliches Ziel, eine Kamera pro Modell-Reihe, war bereits nach wenigen Monaten erreicht. Alleine der berühmten LX habe ich entsagen können, die mir dann doch die hohen Gebrauchtpreise (noch) nicht wert war. Aber die Lust an alten Kameras (oder der Suche danach) war trotz Erreichen des ursprünglichen Ziels noch nicht abgeklungen.

Viel Plastik und Autofokus aus SF, Z und MZ-Reihe. Beigestellt mein Preis-Budget-Tipp: P30 ohne AF.

So ganz bekomme ich das Jahr nicht resümiert. Nach der ersten Super-A (aus der A-Reihe) kam noch eine weitere Super-A dazu, sowie eine KX aus der ersten K-Modellreihe, die das K-Mount 1975 eingeführt hat. Es folgten weitere Modelle wie die SFXn oder die Z1 gemäß dem ursprünglichen „Plan“ aus den K, M, A, P, SF, Z und MZ Reihen. Dazu musste ich zunächst tiefer in die PENTAX Kamerahistorie eintauchen, um mir überhaupt einen Überblick zu verschaffen. Neben den üblichen Internetquellen haben mir insbesondere einige alte Bücher geholfen. 

Die erste ihrer Art: KX real und im Buch

Mein Favorit ist das Buch von Danilo Cecchi mit dem etwas sperrigen Titel „ASAHI PENTAX and Pentax SLR 35mm cameras 1952-1989„, welches einen schönen Überblick aller Spiegelreflexmodelle bis zu den ersten Phasen-AF Modellen aus der SF-Familie bietet. Das Buch nehme ich immer wieder gerne zur Hand zum Schmökern und Schwelgen, auch wegen des hochwertigen Drucks auf dickem, glänzenden Papier. Ein willkommener Effekt war, dass ich nun die einzelnen Evolutionsstufen des K Mounts studieren konnte. Ein Aha-Erlebnis war beispielsweise das Verständnis, was es mit diesem mechanischen Blendensimulator auf sich hat, der leider ab den MZ Modellen wegrationalisiert wurde und der Grund dafür ist, dass heute eine digitale PENTAX SLR immer für die Belichtungsmessung mit alten Objektiven  mit Blendenring kurz abgeblendet werden muss, weil eine eingestellte Blende nicht mechanisch ermittelt werden kann.

Erst in diesem Buch habe ich von der ME F erfahren. Sie ist die erste in Serie gebaute Kleinbild SLR mit Fokus-Messung von 1981, die aber am Markt keinen Erfolg hatte und die M-Reihe abschloss, bevor die Super-A eingeführt wurde. Es wurde nur ein Objektiv mit passenden Autofokus-Motor veröffentlicht, welches neben dem Fokus-Antrieb auch die Batterien im voluminösen Gehäuse unterbringen musste. Ich habe vier Anläufe benötigt, bis ich ein Exemplar der Kamera hatte, in der neben der Mechanik auch noch die Elektronik für die Fokus- sowie Belichtungsmessung funktionierte. Nun ist sie für mich persönlich ein besonderes Highlight meiner Sammlung. 

Kompakte Klassiker aus der M-Reihe mit MX und ME (Super). Die ME F bot als als erste KB SLR eine elektronische Fokushilfe.

Im Beifang zu den PENTAX SLRs sind auch noch einige Objektive zu meiner Sammlung hinzugefügt worden, so das famose (aber vielleicht auch ein wenig glorifizierte) A 35-105mm mit dem inoffiziellen Titel  „Stack-of-Primes“ sowie zahlreiche Varianten der 50mm Standard-Optik von F2 bis F1,4. 

Und dann kam es noch dazu, dass plötzlich auch noch einige (Mess-)Sucherkameras von Ricoh und PENTAX ihren Weg zu mir fanden. Das Kleinbild-Format habe ich auch zwischenzeitlich verlassen. Die Ricoh Auto Half halbiert das Kleinbild, ist damit meine älteste Four-Thirds-Kamera, und schafft so 72 Aufnahmen auf einen 36er Film zu bannen. Meine Ricohflex New Dia geht dagegen belichtet im 6×6 Quadrat auf einen 120er Rollfilm, der dann nur 12 Aufnahmen fasst. Sie ist damit meine erste Mittelformat-Kamera.

Neben alten SLRs habe ich auch meine Zuneigung zu alten Point&Shoot sowie Messsucher-Kameras entdeckt

Ich versuche jetzt gar nicht, alle Kameras vereinzelt in diesem Beitrag aufzuzählen, geschweige denn zu beschreiben. Wenn ich aber daran denke, wie viele Gehäuse im letzten Jahr Einzug gehalten haben, denke ich schon, das ist ein wenig verrückt. Aber ich akzeptiere diese Phase. Und meine Familie auch. Wie ich oben schon geschrieben habe: ich sammle. Zumal der finanzielle Aufwand mit PENTAX und Ricoh sich im Rahmen hält, wenn auch die Preise in den letzten Jahren wieder angezogen haben. Aber das ist alles moderat. Zum Glück hat mich nie eine der hochpreisigen Marken wie Leica, Zeiss oder Hasselblad in ihren Bann ziehen können. Eine funktionierende analoge SLR (oder Sucherkamera) von PENTAX oder Ricoh bekommt man heute noch mit Glück und Verstand so zwischen 30 und 60 EUR, oft dabei noch eine 50mm oder 28mm Standard Optik.

Und ich mutmaße auch, dass ich mein persönliches G.A.S. jetzt zum Ende des Jahres überstanden habe, nachdem diese Woche noch eine PENTAX 645 eingetroffen ist. Mir machen die alten Geräte einfach soviel Freude – die Haptik, die Bedienung, die Geräusche und das Gefühl beim Auslösen, der Umgang mit Film. Selbst das Digitalisieren der Negative macht mir mittlerweile Spaß, so dass ich in Zukunft im Labor nur noch die (Farb-)Filme entwickeln aber nicht mehr scannen lassen will.

Meine beiden Super-A Modelle mit lichtstarkem 50mm F1,4 Objektiv, flankiert vom „Stack-of-Primes“ (Pentax-A 35-105mm)

Wie geht es jetzt weiter? Für die kommenden zwölf Monate habe ich mir definitiv einen Konsumstopp bezüglich Kameras und Objektive verordnet. Das kann klappen, vor acht Jahren hatte ich schon einmal allen Neuzugängen an PENTAX Equipment entsagt, wie ich gerade im Jahresrückblick 2015 nachlesen konnte. Ich schreibe auch extra nur zwölf Monate statt 2024, um mir eine Hintertür nächstes Jahr zu Weihnachten für die angekündigte neue analoge PENTAX Kompaktkamera offen zu halten, wenn Ricoh hier keine Mondpreise aufruft (was vielleicht zu befürchten ist).

Das ganze Thema analoge Fotografie und die vielen zuletzt angeschafften Kameras bieten auf jeden Fall genug Stoff, meinen Blog weiter zu füttern. Bei meinem Takt an neuen Veröffentlichungen eigentlich sogar für viele Jahre.  Und so wird es demnächst sicher einige Beiträge geben, in denen ich einzelne Modelle vorstellen werde und Fotos zeigen möchte, die damit entstanden sind. In der Pipeline sind schon ein Beitrag zu Ricoh 500 G Messsucherkamera, mit der ich in Marokko einen Film im Herbst belichtet habe. Und ich möchte in diesem Jahr noch einen Erfahrungsbericht zu meinen ersten Gehversuchen im Mittelformat mit der Ricohflex und der 645 schreiben.

Analoges Mittelformat versus digitales Mini-Format. Die Q hat eine 10x kleinere Sensorfläche als das Filmformat der PENTAX 645.

Wenn jetzt übrigens der Eindruck entstanden ist, ich würde nur noch analogen Kram kaufen und auf Film belichten, dann muss ich das vehement korrigieren. Beispiel Marokko, siehe oben. Ein analoger Film mit 32 korrekt belichteten Bildern auf Film versus ca. 2500 digitalen Fotos, die mit den GR Modellen, Smartphones und einer K-70 entstanden sind. Auch gab es in meiner G.A.S. Zeit Übersprungshandlungen, die dazu führten, dass ich den analogen Modellen digitale Schätzchen wie eine Pentax Q und K-01 zur Seite stellen konnte, die auch historisch aus Sammlersicht Bedeutung haben.  

Die digitale Fotografie bleibt selbstverständlich. Und würde bei mir niemals von der analogen Fotografie verdrängt werden können. Aber Analog macht gerade einfach so viel mehr Spaß. Am Ende ist dann aber der analoge Film eh wieder digitalisiert. Selbst die Prints auf Papier gehen ja heutzutage zumeist im Labor diesen Umweg. 

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