Bright Black – der PENTAX Infrarot Filtereffekt

Bereits seit vielen Jahren gibt es in PENTAX Systemkameras die Infrarotfilter Option in der monochromen Farbdynamik-Einstellung. Dieser spezielle Software-Filter soll den surrealen Look von Infrarotaufnahmen nachahmen, ohne dass die Kamera das Infrarotlicht wirklich sehen kann. In diesem Post möchte ich von meinen Erfahrungen mit diesem sehr speziellen Filtereffekt (oder eher Effektfilter?) berichten. Alle Fotos, wenn nicht anders beschrieben, sind mit dieser Filtereinstellung entstanden.

Gehry-Bauten I (Medienhafen Düsseldorf)
Gehry-Bauten II (Medienhafen Düsseldorf)

Für das Thema angefixt hat mich vor einigen Wochen ein Bilder-Beitrag von Stefan Senf im Pentaxians Forum mit dem Titel Bright Black. Dort zeigt Stefan einige Stadtansichten von Stuttgart unter Verwendung der Infrarot Einstellung und gibt bereits einen Hinweis, warum er diesen Filtereffekt aktiviert hat, nämlich „um den schönen blauen Himmel für einen knalligen Kontrast zu nutzen“. Der Infrarotfilter war mir zwar bekannt, und ich hatte ihn auch einmal für das ein oder andere Foto ausprobiert, aber in den letzten Jahren war er bei mir in Vergessenheit geraten. 

Jetzt wollte ich es noch einmal genauer wissen. Statt Stuttgart wurde es erneut der Medienhafen Düsseldorf, den ich bereits im letzten Blog Beitrag schwarz-weiß besucht hatte. Die Ergebnisse haben mir so sehr gefallen, dass ich den Filter auch in den nächsten Wochen immer wieder eingestellt habe. Mittlerweile ist einiges an Bildmaterial entstanden, so von der Halbinsel Darß-Fischland an der Ostsee und aus Istrien (Kroatien).

Am Weststrand I (Darß-Fischland, Ostsee)
Küstenlandschaft Mon Perin (Istrien)

Bei der Gelegenheit möchte ich gleich ein wenig die Werbetrommel für Stefans Homepage Motivprogramm rühren. EDIT: Zumal ich gerade erst feststellen musste, dass Stefan zum gleichen Thema zuletzt einen Artikel mit dem Titel [bright black] Strahlend Schwarz veröffentlich hat. Stefan versteht es einfach, Themen aus seinem (nicht nur fotografischen) Alltag in Wort und Bild auf sehr charmante und verständliche Art zu präsentieren. Ich mag seine Art zu schreiben, irgendwie zurückhaltend und unaufgeregt, dabei aber sehr durchdacht und auf den Punkt formuliert. Ende der Werbung.

Welche Modelle bieten den Infratorfilter per Software-Einstellung konkret an? Zunächst habe ich einige Manuals verschiedener PENTAX Kameras gesichtet. Ricoh hält sich in der Beschreibung sehr bedeckt. Anleitungen von aktuelleren Modellen wie K-1 (II), KP oder K-3 (II, III) listen leider gar keine Parameter für monochrome Filtereinstellungen, also weder Infrarot noch die üblichen Farbfilter aus der SW-Fotografie. Dennoch bieten alle diese Kameras die Filtereffekte an. Anleitungen zu älteren Modellen wie der K-5 oder K-01 benennen zumindest die zur Verfügung stehenden Filter, so auch den Infrarotfilter. Es gibt aber keinerlei Beschreibung zur Wirkung.

myhive Bürogebäude I (Medienhafen Düsseldorf)
myhive Bürogebäude I (Medienhafen Düsseldorf)

Um zu klären, ob der Infratorfilter von der eigenen PENTAX Kamera angeboten wird, beschreibe ich den leicht versteckten Weg der Aktivierung am Beispiel meiner K-1. Voraussetzung ist zunächst die Änderung der Farbdynamik auf Monochrom über die Anwahl Benutzerdefiniertes Bild bzw. Custom Image. Bei der K-1 gelingt dies über die Steuerkreuz-Taste Rechts. Hier führt das [BW] Symbol zur monochromen Auswahl. Wer sich übrigens wie ich fragt, warum dies bei der K-1 nicht über das allgemeine Menu oder das INFO-Menu möglich ist, für den habe ich leider auch keine Antwort. In anderen Modellen wir der K-70 oder KP wird die Funktion über das Aufnahmemenu angesteuert.

Sobald Benutzerdefiniertes Bild aufgerufen ist, kann bei der K-1 über die INFO Taste die Parametereinstellungen zur Individualisierung des Bildstils aufgerufen werden. Im Fall von Monochrom bzw. BW wird als erste Position Filtereffekt angeboten. Hier können die verschiedenen Farbfilter durchlaufen werden, die letzte Auswahl ist dann der Infrarotfilter. Andere Parametereinstellungen betreffen Tönung (Cyan, Sepia), High- und Low-Key, Kontrast und Schärfe. Diese Parameter habe ich mir nicht im Rahmen dieses Artikels gesondert angeschaut, alle Infrarotfilter Aufnahmen sind mit den Standardwerten entstanden.

Die Aktivierung von Infrarot verläuft zweistufig über Benutzerdefinierte Bild Monochrom und Parametereinstellung Filtereffekt Infrarotfilter

Genug der Vorrede. Was macht der Filtereffekt nun genau? Zunächst sorgt er für kontrastreiche Schwarz-Weiß Aufnahmen. Die Besonderheit aber kommt durch die gezielte Tonwert-Bearbeitung einzelner „Farben“ im Schwarzweiß-Bild. Blau wird stärker abgedunkelt als beim traditionellen Rotfilter. Dies führt zu einer dramatischen Bildsprache, wenn der Himmel dunkelgrau bis fast schwarz erscheint, dabei die Wolken aber weiß strahlen. Die Wirkung ist natürlich nicht auf das Blau des Himmels beschränkt, sondern betrifft auch andere Bildbereiche in Blau wie beispielsweise an der See.

Die nachfolgende Sequenz von Fotos des gleichen Motivs zeigt den Unterschied zwischen dem Infrarot- und Rotfilter als Filtereffekt sowie ohne aktivierten Filter. Dazu habe ich die gleiche Raw-Aufnahme mit der internen RAW-Entwicklung der Kamera unterschiedlich konvertiert und jeweils den Filtereffekt gewechselt. 

Das Blau des Himmels wird mit dem Infrarotfilter noch einmal deutlicher abgedunkelt als beim Rotfilter. Der Verlauf von hell nach dunkel ist sehr prominent. Das Grün von Vegetation wird leicht angehoben (wobei im Ausgangsbild die meisten Blätter sehr dunkel im Schatten liegen), während es beim Rotfilter wie zu erwarten unverändert bleibt im Vergleich zur Aufnahme ohne speziellen Filtereffekt. Der Rotfilter greift weit weniger extrem in die Helligkeitsverteilung der Blauanteile im Bild ein, am meisten noch im Meer, aber das Ergebnis sieht immer noch natürlich aus.

Insgesamt fallen immer mal wieder sehr steile Übergang von Hell nach Dunkel im blauen Himmel auf. Manchmal reißt die Helligkeit geradezu ab, was selten gut und gewollt aussieht. Daher empfiehlt es sich aus meiner Sicht, die Infrarotfilter-Aufnahmen mit dem Live-View der Kamera zu komponieren und zu kontrollieren. Und gegebenenfalls dann die Belichtung anzupassen, ansonsten kann es später zu unliebsamen Überraschungen kommen. Hier einmal ein prägnantes Beispiel.

Ungewollter Dunkel-Hell-Bogen am Handelshafen (Medienhafen Düsseldorf)

Und noch ein zweites Beispiel, welches zeigt, wie schnell der Hell-Dunkel-Verlauf kippen kann, so dass er wie eine übertrieben künstliche Vignette wirkt. Dabei wirkt der Helligkeitsverlauf in den Original Farbaufnahmen gar nicht so stark, wie es die Infrarot-Entwicklung vermuten lässt. Bereits eine leichte Unterbelichtung „behebt“ den starken Effekt im Infrarot-Filter.

Während Blau teilweise recht stark und steil abgedunkelt wird, erfahren die Farben Grün und besonders Rot eine Aufhellung. Aufnahmen mit Kameras ohne Infrarotsperrfilter zeigen das Blattgrün oft nahezu weiß, weil (zumeist grüne) Vegetation das Infrarotlicht stark reflektiert. Diesen sogenannten „Wood-Effekt“ aus der echten Infrarot-Fotografie konnte ich mit dem Infrarot Filtereffekt der Kamera nicht bis zum Extrem provozieren. Dabei habe ich gelernt, dass die Reflektion der Infrarotlichts in der Realität weniger mit der Farbe des Blattgrüns zu tun hat, sondern eher mit der Beschaffenheit und Eigenschaft des reflektierenden Materials.

Die Kamera-Software analysiert nur die direkten Farbinformationen aus dem Bayer-Sensor. Hier haben die PENTAX Ingenieure entschieden, dass Grün nicht bis zu weiß überzubetonen. In Zeiten von Machine Learning könnte man noch auf den Gedanken kommen, Pflanzen automatisch zu erkennen, aber das entspräche wohl nicht der Philosophie (und dem Vermögen) von Ricoh/PENTAX.

Ein weiterer Unterschied, der mir im Vergleich von Fotos ohne und mit aktivierten Infrarotfilter aufgefallen ist, betrifft das Bildrauschen. Dieses erscheint durch den Filtereffekt künstlich verstärkt. Dies zeigt sich auch in homogenen Flächen, die im Ausgangsmaterial bei niedrigem ISO Wert nahezu keine Störungen aufweisen. Dazu kommen leichte Halos bzw. Lichtkranz-Effekte an kleinen Details wie Blätterwerk.

Der Infrarotfilter provoziert starkes Rauschen und Halos an Details, die ohne Filter nicht sichtbar sind

Zum Abschluss stellt sich mir die Frage, ob ich den Infrarotfilter Effekt auch in Zukunft weiter einsetzen möchte. Wie immer sollte es auf den Anwendungsfall ankommen. Eine Alternative zu echter Infrarotfotografie ist er natürlich nicht, da die Ergebnisse im Detail doch anders ausfallen. Zudem stellt sich der Helligkeitsverlauf am Himmel oft als unvorhersehbar dar. Ich fühle mich dem Filtereffekt eher ausgeliefert, als dass ich ihn kontrollieren kann. Die maßgebliche Stellgröße ist hier die gezielte Belichtung. Die steilen Helligkeitsübergänge werden dabei zumeist durch Unterbelichtung zugunsten eines dunkleren Himmels gemieden. Zur proaktiven Beurteilung sollte wie bereits zuvor empfohlen mit Live-View statt optischen Sucher gearbeitet werden. 

Trotz dieser Einschränkungen sehe ich den Filter als Bereicherung an, mit dem dramatische Bildeffekte entstehen. Da der Infrarotfilter „nur“ Software ist, kann die Bildverfremdung (wie so oft) auch auch erst in der Nachbearbeitung am PC entstehen. Dennoch ist es oft befriedigender (und auch schneller umgesetzt), die Bildidee direkt in der Kamera zu realisieren. Dafür ist der Infrarotfilter einfach eine weitere, effektvolle Option, die Spaß macht.

Dieser Post hier zum Infrarotfilter der Monochrom Bildeinstellung ist jetzt bereits der dritter Blog Artikel meiner persönlichen Standortbestimmung zur Schwarz-Weiß-Fotografie. Das Thema lässt mich noch nicht los. Wer noch mehr Fotos sehen möchte, kann auch in meinen Pentaxians Beitrag Bright Black Part II vorbei schauen. Gerade habe ich auch wieder einen Ilford HP5 Film zur Entwicklung gegeben, so dass demnächst Teil 4 anstehen wird.

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