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Der Sonne hinterher ++ Mit der PENTAX 645 und Super A in der Provence-Alpes-Côte d’Azur

Die Regentropfen prasseln gerade heftig gegen die Dachfenster. Der Januar im neuen Jahr hat hier im Rheinland mit Minus-Graden und ein wenig Schnee gestartet. Heute fühlt sich der Winter eher wie Herbst an. Ich sitze am PC und schliesse das vergangene Jahr im digitalen Archiv ab. Die letzten Fotos werden einsortiert, fehlende Bewertungen nachgeholt und dann alle Bilddateien des Jahres vom PC auf das NAS geschoben. Jährliche Routine zum Jahresanfang. Das nasse Wetter draußen lässt mich versonnen das Verzeichnis „2025 Filmrollen/2025_35 Cote d’Azur (645, Gold 200)“ aufrufen. Ich betrachte die Fotos aus den Herbstferien vom letzten Oktober und erinnere mich an den Spätsommer, den wir eine Woche lang in der Provence-Alpes-Côte d’Azur geniessen durften.

Unser Ferienhaus lag etwas im Landesinneren bei der Gemeinde Signes im Départements Var. Die Küstenstädte der westlichen Côte d’Azur wie Cassis, La Ciotat, Bandol und vor allem Marseille lagen alle ca. eine dreiviertel Stunde Autofahrt entfernt. Analog auf Film wollte ich hauptsächlich mit der PENTAX 645 auf Kodak Gold 200 fotografieren – nur in Marseille war ich mit der Super A als leichtere Kleinbild-Alternative unterwegs (aber ebenfalls mit Gold 200). Insgesamt vier Rollfilme durfte die 645 belichten, von denen ich einige Fotos hier zeigen möchte. Die Filme entwickelt hat das Labor, gescannt habe ich selber.

Obwohl nur wenige Monate seit der Reise vergangen sind, fällt es mir bei einigen Aufnahmen schwer, diese heute sicher zu verorten. Wie nützlich ist da doch das eingebaute GPS einer digitalen K-1. Los geht es (wahrscheinlich) an der Plage du Capelan. Der kleine Stadtstrand mit viel Kiesel liegt am westlichen Stadtrand der kleinen Hafenstadt Bandol. Der Hafen selbst ist auch sehr sehenswert mit unzähligen kleinen Yachten. Das Mittelmeer war hier im Herbst noch warm genug zum Baden – anders als der unbeheizte Pool unseres Ferienhauses mit 17 Grad.

Weiter ging es auf der Route des Crêtes, einer kurvenreichen Straße mit wunderbaren Ausblicken auf Meer und Küste zwischen La Ciotat und Cassis am späten Nachmittag. Von deutschensprachigen Reiseführern wird der Abschnitt auch (recht sperrig) Vogesenkammstraße genannt. Es gibt ausreichend viele Parkplätze (zumindest im Herbst), von denen aus einige Meter gut zu Fuß losgelaufen werden kann, um schnell alleine für sich zu sein.

Neben schönen Landschaften gibt es reichlich pittorske Hafenstädtchen zu bewundern. Sanary bietet einmal die Woche einen lebhaften Markt (mit nerviger Parkplatzsuche) und viele bunte Einmaster im Hafen. Cassis dagegen gibt sich mondäner, mit vielen Straßencafes und Restaurants. Ein besonderes Highlight sind die Calanques: schmale tiefe Buchten, die mehrere hundert Meter ins Landesinnere führen, mit steilen Rändern. Nichts, was ich mit der schweren 645 Ausrüstung erwandern wollte, aber für einen Schnappschuss von oben auf den kurvigenYachting Club des Calanques de Cassis hat es gereicht. Den schönsten Blick auf Cassis bieten aber die Falaises de Cassis, die Klippen von Cassis, ein kurzes Stück zurück auf der Route des Crêtes zurück Richtung La Ciutat.

Aber nicht nur die Küste der Provence-Alpes-Côte d’Azur weiß zu gefallen, sondern auch das Hinterland. Wie anfangs erwähnt haben wir in Signes gewohnt, nahe dem Sainte-Baume Natural Regional Park. Dieser Naturpark bietet ein dichtes Netz von Wanderwegen um Kalksteinfelsen, Höhlen und kleine Kapellen auf Felsvorsprüngen. Leider war eine Woche viel zu wenig, um die Region nur ansatzweise erkunden zu können. Zumindest dem wenig bekannten L’Éléphant de Pierre haben wir zur Abendstunde einen Besuch abgestattet. Die Felsformation erinnert mit Fantasie an einen Elefanten.

Als einziges Dorf mehr im Landesinneren und nicht an der Küste, haben Pia und ich abschließend Le Castellet besucht, während die Kinder wie so oft die Vorzüge des Ferienhauses (und Abwesenheit der Eltern) genossen. Der Ort liegt mit seinem verwinkelten Gassen malerisch auf einem Hügel, auf halber Strecke zwischen unserem Wohnort Signes und Bandol am Meer. 2022 erhielt Le Castellet das Prädikat Les plus beaux villages de France als kulturtouristische Auszeichnung – wie so viele pittoreke Dörfer der Provence. Und so dominieren im Stadtkern auch viele Cafes und Geschäfte mit touristischer Ausrichtung (denen ich kein analoges Bild gegönnt habe). Wie an so vielen Orten, die wir in dieser Woche besuchten, fragten wir uns, wie es hier wohl im Hochsommer aussehen würde …

Nachdem leider zum Ende unseres viel zu kurzen Aufenthalts alle Familienmitglieder an einem Magendarminfekt erkrankt waren, besuchte ich am letzten Tag Marseille. Die Hafenstadt ist die zweitgrößte und zugleich älteste Metropole Frankreichs. Die 645 ließ ich bei diesem Ausflug zu Gunsten der Super A im Ferienhaus, da ich geplant an dem Tag viel zu Fuß unterwegs sein und zugleich etwas flinker beim Fotografieren sein wollte. Mehr als einen halben Tag wollte ich meine Lieben im Krankenstand nicht alleine lassen, zumal es für die Rückreise am nächsten Morgen noch einiges zu tun gab.

Marseille hat mir wirklich sehr gut gefallen, wenn auch die Anfahrt über die Vororte etwas anstrengend war. Bei vielen hat die Stadt einen schlechten Ruf aufgrund der hohen Kriminalität. Und ja, sie rangiert im Vergleich in den Top 10 der gefährlichsten Städte Europas, wie auch Neapel, Brüssel oder Birmingham. Die Kriminalität in Marseille ist aber extrem ungleich verteilt. Während die nördlichen Stadtteile wohl unter Bandengewalt leiden, sind touristische Viertel nicht gefährlicher als vergleichbare Zonen andere Metropolen. Bei meinem Streifzug durch die Innenstadt um den alten Hafen herum bis zum Binnenhafen Vallon des Auffes und rauf auf den Hügel zur Basilique Notre-Dame de la Garde habe ich mich sehr wohl gefühlt.

Insgesamt haben wir eine sehr schöne Woche in Südfrankreich verlebt, die auch die lange Anfahrtzeit mit dem Auto wert war. Aber die Region hat definitiv mehr Zeit und Aufmerksamkeit verdient, so wie auch unser wirklich schönes, abgelegenes Ferienhaus. Ich werde gerne wieder kommen, dann auch wieder mit Rollfilm und hoffentlich noch mehr Zeit zum Fotografieren.

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